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Loslassen, um zuzulassen

  • Autorenbild: Sabine Toliver
    Sabine Toliver
  • 6. Aug.
  • 1 Min. Lesezeit


„Lassen Sie doch einfach los.“


Ein Satz, den wir vermutlich alle schon einmal gehört haben.


Und fast immer hinterlässt er dieselbe Frage:


Wie denn?


Wie lässt man Gedanken los?

Wie lässt man Anspannung los?

Wie lässt man Angst los?


Je mehr wir versuchen loszulassen, desto deutlicher spüren wir häufig das Gegenteil.


Denn Loslassen ist keine Technik.


Es ist kein weiterer Punkt auf einer To-do-Liste.


Es ist kein Muskel, den wir trainieren könnten.


Im Laufe vieler Jahre haben mich meine Studierenden immer wieder überrascht.


Wenn eine Stimme plötzlich frei wurde, fragte ich oft:


„Was haben Sie gerade anders gemacht?“


Die Antworten waren erstaunlich ähnlich.


„Ich habe aufgehört nachzudenken.“


„Ich habe einfach gesungen.“


„Ich habe nichts mehr gewollt.“


Oder:


„Ich habe einfach einmal losgelassen.“


Und genau an dieser Stelle beginnt für mich etwas Entscheidendes.


Loslassen lässt sich nicht machen.


Es lässt sich nur ermöglichen.


Es ist kein aktiver Vorgang.


Es ist ein Geschehen.


Ein Moment, in dem der Körper wieder beginnt, sich selbst zu vertrauen.


Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Unterschied.


Wir versuchen oft, Kontrolle loszulassen.


Dabei geht es gar nicht um das Loslassen.


Es geht darum, Bedingungen entstehen zu lassen, unter denen Loslassen überhaupt geschehen kann.


Deshalb wurde über die Jahre dieser Satz zu einem stillen Begleiter meiner Arbeit:


Loslassen, um zuzulassen.


Nicht weil Loslassen das Ziel wäre.


Sondern weil Zulassen erst möglich wird, wenn wir aufhören, ständig eingreifen zu wollen.


Vielleicht beginnt genau dort das, was viele Sängerinnen und Sänger als FLOW beschreiben.


Nicht:

Ich singe.


Sondern:

Es singt in mir.


Die Gedanken dürfen weitergehen.

 
 

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